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19-2020 - In aller Demut!?

Wiebke Brüssel

September 2020

Geht es Ihnen auch so? Ich bin noch nie so oft über das Wort „Demut“ gestolpert wie jetzt in Corona-Zeiten. Ich hatte das Wort immer eher mit religiösen Themen verknüpft und wundere mich, es jetzt aus dem Mund von Politiker*innen zu hören oder in der Presse – auch in Wirtschaftsmedien – zu lesen.

 

Es gibt mehr als eine Möglichkeit, das Wort „Demut“ zu definieren – je nachdem, aus welcher Ecke die Definition kommt. Das Wort wird oft in religiösem Zusammenhang verwendet und bedeutet die Anerkennung von Gott als höherer Macht und die Unterwerfung unter diese Macht. Manche Menschen setzen Demut mit Bescheidenheit gleich. Oder sie definieren sie als Geisteshaltung, die für sie bedeutet, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und sich mehr um andere zu kümmern.

 

Mir gefällt die weltliche Sicht besser: zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die wir nicht kontrollieren können, und zu erkennen, dass wir nicht immer im Mittelpunkt stehen. Corona lehrt uns Demut. Einige Menschen haben im Lockdown erkannt, dass sie und ihre Unternehmen nicht unbesiegbar sind; teilweise sogar große Unternehmen, von denen wir das vermutlich nicht erwartet hätten.

 

Bringt Demut uns Unternehmerinnen und Unternehmer weiter? Oder ist Demut als Tugend „eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“?

 

Ich denke, dass Demut Menschen ermöglichen kann, sich auch unbequemen Erkenntnissen zu stellen und professionell darauf zu reagieren.

 

Wer erstens erkennt, dass es unkontrollierbare Entwicklungen gibt und wie diese sich auf das Geschäft auswirken können bzw. werden, ist einfach erfolgreicher. Das sehen wir in jedem unserer Strategieprojekte. Unsere Kunden lernen, Herausforderungen zu erkennen und aus diesen ihre Chancen abzuleiten – und das bereits, bevor die Probleme tatsächlich eintreten.

 

Wer zweitens dann auch die Erkenntnis zulässt, dass er oder sie Schwächen hat, kann gezielt daran arbeiten. Auch das ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Zukunftsplanung, vor allem, wenn er Hand in Hand mit der Erkenntnis der Herausforderungen geht. Und manchmal wird aus einer vermeintlichen Schwäche sogar eine Chance.

 

Drittens tut uns ein wenig Bescheidenheit ab und zu auch mal gut. In einer Welt der Selbstdarstellung fallen zumindest mir inzwischen Menschen viel mehr und sehr positiv auf, die sich selbst nicht als Nabel der Welt sehen. Sich mit ihnen zu unterhalten und mit ihnen zusammenzuarbeiten, macht einfach Spaß und ist sehr konstruktiv.

 

Einen Aspekt der Demut habe ich für mich ausgeklammert: den Teil, in dem von Unterwürfigkeit und Fügsamkeit die Rede ist. Natürlich müssen wir viele Gegebenheiten akzeptieren, die uns auch als Unternehmende betreffen: Corona, Klimawandel, Digitalisierung und vieles mehr, das nicht mehr verschwinden wird. Manches davon stört uns, manches bedroht sogar Geschäftsmodelle. Doch nichts davon ist ein Grund zum Resignieren. Wer in der Krise strategisch denkt und Chancen statt Probleme sieht, übersteht sie meistens besser. Viele tolle Ideen entstanden und entstehen durch unverrückbare Herausforderungen. Wer diese Fähigkeit lernt und ausbaut, muss vor weiteren Krisen keine Angst haben.

 

Insofern wünsche ich uns allen die richtige Dosis Demut.

 

Redaktionelle Hinweise

 

Über die Autorin

 

Wiebke Brüssel ist Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Das Strategiebüro Nord arbeitet für Unternehmen und Organisationen im privaten, sozialen und öffentlichen Bereich, für Gründer und für Firmen am Anfang ihrer Entwicklung.

 

Dabei geht es um individuelle Fragestellungen, die sich oft aus den Trends unserer Zeit ergeben. Hierfür entwickeln wir lösungsoffen und teamorientiert strategische Konzepte, die langfristig den Erfolg sichern.

 

 

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Dieser Beitrag wurde auf den Bremer Exxtraseiten veröffentlicht.

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